Anfrage zur Erhaltung des Geraer Moores und des Stadtwaldes

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

am vergangenen Samstag, den 2. Juli 2022 machte sich eine Wandergruppe auf, um den an Gera grenzenden Wald zu besichtigen und die Folgen menschlichen Eingreifens in die Natur mit eigenen Augen zu sehen. Ein Kamera-Team des MDR hat die Gruppe begleitet.

Der Biologe Georg Pagel, der die Wanderung leitete, zeigte auf, dass die offensichtliche Trockenheit des Stadtwaldes und des Moores durch Entwässerungskanäle und Drainagen mitverursacht wird. Sie führen so viel Wasser ab, dass Waldbäume absterben, das Moor vertrocknet und der Boden selbst für landwirtschaftliche Nutzpflanzen oft zu trocken ist. Das Grundwasser ist so niedrig, dass Wurzeln dieses nicht mehr erreichen.

Laut der zweiten Fortschreibung des Geraer Landschaftsplanes von 2021 sind die meisten bei Gera vorkommenden naturbestimmten Waldbiotoptypen als gefährdet eingestuft. Als Hauptgefährdungsfaktor ist auch hier die Entwässerung angegeben (vgl. Seite 96).

Bäume und Moore sind natürliche Speicher für klimaschädliches Kohlenstoffdioxid. Die Feuchtigkeit sorgt auch als Temperaturspeicher für kühlere Sommer und mildere Winter.

Laut der zweiten Fortschreibung des Geraer Landschaftsplanes von 2021 ist der Geraer Stadtwald ein Landschaftsschutzgebiet (gem. § 26 BNatSchG i. V. m. § 36 ThürNatG; vgl. Seite 36). Laut der Website der Stadtverwaltung wurde dieses am 1. April 1972 ausgewiesen.

Dort heißt es: „Die Schutzziele des LSG „Geraer Stadtwald“ sind im Landschaftspflegeplan zusammenfassend wie folgt definiert:
– Erhalt des Erholungswertes und sinnvolle Nutzung der Natur und ihres Reichtums
– Schutz und Pflege der Umwelt und des Menschen
– Gestaltung und Pflege der Erholungslandschaften
– Erhaltung der Schönheit und des Charakters der Landschaft“

Wir gehen nach dem fachlichen Austausch mit Herrn Pagel davon aus, dass der Grundwasserspiegel steigen kann, wenn die Entwässerungskanäle umgestaltet würden, um Wasser vor Ort zu halten. Eine vollständige Entfernung/Zuschüttung der Entwässerungseinrichtungen oder einzelne Sperren für einen stufenweisen Wasseranstieg sind mögliche Methoden. Auch eine Wiedervernässung des Moores könnte möglich sein.

Mit dieser Anfrage wollen wir Handlungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken herausfinden, die bei entsprechenden Maßnahmen relevant sind.

Daher bitten wir um die Beantwortung der folgenden Fragen.

1. Seit wann ist der Stadtverwaltung das Moor im Geraer Stadtwald bekannt?

2.Wann haben Maßnahmen stattgefunden, die dazu beigetragen haben, dass das Moor gestört ist?

2.1 Wann wurden Entwässerungsmaßnahmen vorgenommen?

3. Der Geraer Stadtwald ist ein Landschaftsschutzgebiet. Ist das Gebiet auch zum Schutzforst ausgewiesen?

4. Wird der jetzige Umgang mit dem Moor und dem Stadtwald den Schutzzielen des LSG „Geraer Stadtwald“, die im Anschreiben dieser Anfrage zitiert sind, gerecht?

5. Plant die Stadtverwaltung Maßnahmen, um das Moor wieder zu bewässern?

5.1 Wenn nein, welche Maßnahmen sind für die Stadtverwaltung denkbar, um das Moor wieder zu bewässern?

6. Kann das Moor zum Ökokonto der Stadt gezählt werden?

6.1 Wenn ja, ist dies bereits der Fall?

6.2 Wenn Frage 6.1 verneint ist, unter welchen Umständen könnte dies möglich sein? Wir beziehen uns bei dieser Teilfrage auch auf den derzeitigen gestörten Zustand des Moores und die Möglichkeit, dass das Moor nach hier in Betracht gezogenen Maßnahmen der Stadtverwaltung wieder bewässert ist und der Zustand des Biotops als nicht mehr gestört bezeichnet werden kann.

Wir danken Ihnen herzlich vorab für die Beantwortung der Fragen.

Nils Fröhlich

Fraktionsvorsitzender

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gera

Hier unsere Pressemitteilung und ein MDR Beitrag dazu.

Das Moor ist hier zu finden!

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